Der kanadische Automarkt

Bis vor wenigen Jahren war der kanadische Automarkt einer der größten Fahrzeug-
Umschlagplätze in Nordamerika für den Export von US-Modellen in die ganze Welt.
Dies hatte zwei entscheidende Gründe:

I.

Die US-Hersteller boten Fahrzeuge in Kanada deutlich günstiger an als in ihrem Heimat-
land, den USA. Man trug damit dem inneramerikanischen Währungsgefälle zwischen US-
Dollar und CAN-Dollar Rechnung.
Viele US-Modelle wurden bereits zu dieser Zeit in Kanada produziert, um den schwachen
kanadischen Dollar für eine kostengünstigere Produktion von Fahrzeugen zu nutzen.

II.

Die Kanadier verwenden, genau wie die meisten Europäer, das Metrische System, was
im Endeffekt bedeutet, dass man alle Angaben in Millimeter, Zentimeter, Meter u. Kilo-
meter bekommt.
Hingegen waren die US-Modelle nach dem alten und wenig verbreiteten Meilen-System
(Imperiales System von 1824) bemessen.
Eine praktische Auswirkung ist zum Beispiel ein Tachometer mit Km/h-Angaben und Km-
Zähler.

Den entscheidenden Vorteil günstigerer Einstandspreise u. den zusätzlichen Vorteil durch
die stärkere US-Währung machten sich viele amerikanische Privatpersonen und Händler
zu Nutze, um die für den kanadischen Markt gelieferten Fahrzeuge wieder in die USA zu
importieren. Es entstand dadurch ein sehr reger inneramerikanischer Handel.
Die Autohersteller in den USA versuchten diese, mittlerweile sehr großen Handelsströme,
mit einem 3-Punkteprogramm zu bekämpfen:

  • Importbeschränkungen für kanadische Fahrzeuge (per Gesetz)
  • Hohe Vertragsstrafen für kanadische Autohändler bis hin zum Entzug der Lizenz
  • Einschränkungen der Garantieleistungen für kanadische Fahrzeuge in den USA


Aber wie sooft fanden findige Leute heraus, wie man dieses Problem umgehen kann; das
Allheilmittel war die Kurzzeit- oder Tageszulassung.
Nachdem alle getroffenen Maßnahmen umgangen wurden und somit keinerlei Wirkung
zeigten, hoben die amerikanischen Fahrzeug-Hersteller fast gleichzeitig die Verkaufspreise
in Kanada auf das Niveau der US-Preise, unter Berücksichtigung des Währungsgefälles, an.
Der inneramerikanische Handel mit US-Neufahrzeugen kam daraufhin unmittelbar zum Er-
liegen.
Das Interesse von Exporteuren und US-Amerikanern am kanadischen Automarkt war mit
diesen Maßnahmen erloschen. In den Folgejahren erlebte die kanadische Volkswirtschaft
eine ungeahnte Boomphase,so dass bei den Wechselkursen beider Währungen (US-Dollar
/ CAN-Dollar) heute fast paritätische Verhältnisse vorliegen.
Da das Preisniveau für US-Fahrzeuge in Kanada aber immer noch auf dem alten Wechsel-
kursverhältnis basiert, verteuerten sich US-Fahrzeuge auf den kanadischen Automarkt um
ca. 20% gegenüber den Fahrzeugpreisen in den USA selbst.
Man könnte glauben, dass sich nun ein schwunghafter Handel mit US-Fahrzeugen in der
umgekehrten Richtung entwickelt hätte, aber diesem Szenario wurde bereits vor Jahren
durch bestimmte Auflagen und Abgaben ( Strafzölle ) ein wirksamer Riegel vorgeschoben.


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